Zum Buchprojekt


Cy Twombly begegnete vielen Kulturen und Landschaften überall auf der Welt. Ob in Lexington, Rom, Sperlonga, Gaeta oder anderswo: Die Orte wurden zum »Schauplatz« der Entstehung seiner Zeichnungen, Gemälde, Fotografien und Skulpturen. Der Essay mit dem Arbeitstitel »Ortsumgehungen« folgt diesen Spuren. Die Veröffentlichung ist im Herbst 2024 geplant. Das Buchprojekt wird von der Cy Twombly Foundation (Rom/New York) und von der Fondazione Nicola Del Roscio (Rom) unterstützt.


Der Essay  untersucht die Bedeutung von geografischen und medialen Orten in Twomblys Werk und unterscheidet sein »opus librum« von seinem »opus in situ«. Der Blick in die Ateliers des Künstlers und sogar die Betrachtung seiner Reisen leisten einen Beitrag zum Verständnis seines Werks. Der Essay versteht die Orte von Twomblys Bildern als »topos oikeios«, an dem sie entstanden sind und wo sie ihre Heimat finden. Es ist aufschlussreich, wie sich dort die künstlerischen Handlungen als Prozess des Suchens und Findens entwickelt haben. Das Buch beobachtet diese Praxis vor allem in Twomblys Papierarbeiten, die in Sperlonga entstanden, und an Beispielen seiner Collagen.

Das Seitenlayout

Die Gliederung des Essays

Opus in situ: Twomblys Werk entstand an unterschiedlichen Orten, vor allem in Italien und in den USA. Roland Barthes sprach von den großen und leeren mediterranen Zimmern, die Twombly bevölkerte, und der Philosoph Manfred Sommer beschreibt in seiner »Archäologie der Lineatur«, wo der ideale Ort der Bilder sei, ihr Topos Oikeios: auf dem Boden und an der Wand. Twomblys Werk ist nicht nur ein opus librum, sondern auch ein opus in loco. Man weiß, dass Twombly viele Reisen unternommen hat und wohin ihn diese Reisen geführt haben. Er hat sich Reisen sogar ausgedacht. 1951 entschied sich Twombly, nach Asheville in North Carolina zu fahren, einem verwunschenen Ort nahe seiner Heimat, um dort zu studieren. Black Mountain wurde zu einem Ort seiner künstlerischen Biografie. In der Forschung, in der Kunstkritik und in Berichten von Vertrauten haben sich seit damals viele Wissensbestände und Narrative abgelagert, die den Umgang mit Twomblys Werk heute leiten. Der Blick in zwei Arbeitsräume öffnen wichtige Merkmale seiner Arbeit. Die Zeichnungen, die Twombly 1959 in Sperlonga anfertigte, zeigen, dass er anfing, mit den Ereignissen auf dem Papier zu spielen. Der Ort wurde zum Schauplatz seiner künstlerischen Arbeit. Ein besonderer Ort war immer der ungefegte Raum, die Arbeit an Collagen. Manches Ding hat dabei einen autobiografischen Bezug. Neben allen Ikonografien, in denen Twomblys Bilder erscheinen, ist sein Werk von persönlichen Begegnungen mit den Ereignissen seiner Zeit, von Wahrnehmungen der Natur und der Kulturgeschichte geprägt. Wie den Zugvogel versteht man das Werk Twomblys dort am besten, wo er Fuß gefasst hat. In seinem poetischen Gelände hatte er alles im Blick. Dort musste sich Twombly entscheiden, wie er seine Bildideen umsetzte: kein geringes Problem. Denn er hat vor allem in den Zeichnungen seinen Anspruch eingeschrieben, die »uranfängliche Frische« der Dinge einzufangen. Immer war er, wie er selbst sagte, verführt von Orten.

Die Abbildungen auf dieser Seite unter Verwendung von Cy Twombly, Untitled, 1957, Rome, Gouache, Wachsstift, Bleistift auf unregelmäßig geschnittenem Karton, 31 x 35,8 cm, CRD 2, 34, © Cy Twombly Foundation, ph. Belisario Manicone und Cy Twombly, Interior, Rome, 1980, Dryprint auf Karton, 43,1 x 27,9 cm (dryprint on cardboard, 17 x 11 inches), © Fondazione Nicola Del Roscio